Feuerwache, es ist zehn Uhr vormittags, als die schrille Alarmglocke die Kameraden unbarmherzig aus ihrer wohlverdienten Runde Bauernschnapsen reißt. Einsatz! Noch einen tiefen Zug durch die Lungen, bevor man die Zigaretten ausdämpft und in Richtung Einsatzraum stolpert. Gruppenkommandant und Ehrenbrandstifter Alfons Kräuterbitter steht bereits voll uniformiert im Raum und skizziert die ersten Details zum Einsatz.

Keine Übung

„Liebe Kameraden und Kameraden, dies ist keine Übung!“ schreit er in einem preußischen, schnarrenden Tonfall und blickt dabei ernst in die Runde seiner Mannschaft, die mit hochrotem Kopf und vollkommen außer Atem von den zurückgelegten fünf Metern an den Lippen ihres Kommandanten hängt. Nach kurzer Lagebesprechung zwängt man sich in die viel zu engen Uniformen und überprüft noch einmal die wichtigsten Utensilien
Einen Karton „kleiner Klopfer“ ✅
E-Zigaretten und bestialisch stinkenden Apfeltabak ✅
Sonnencreme der Marke „Tiroler Nussöl“ ✅
Aufgekrempelte Ärmel, damit alle die „Ultras Rapid 1988“- und „Tod und Hass dem FAK“-Tätowierungen am rechten Unterarm sehen können✅
Alles ready, es kann also losgehen.

Der Einsatz beginnt

Mit heulenden Sirenen und Blaulicht verlässt die Kompanie die Garage im neuen, von der Gemeinde gesponserten Feuerwehr-Einsatzwagen mit dem Namen „Schlauch und Trichter“. Passanten, Frauen mit Kinderwägen und ältere Menschen retten sich mit beherzten Sprüngen auf die Seite, als sich das Gefährt mit 90 Stundenkilometern einen Weg Richtung Hauptplatz bahnt. Der Wettlauf mit der Zeit hat begonnen. Ernste Minen auf den Gesichtern der Truppe. Im Mannschaftsbus riecht es nach Schwefel und Eieraufstrich. Endlich, Ziel erreicht! Hektisch laufen die jungen Männer hin und her und heben die wichtigsten Gerätschaften der Freiwilligen Feuerwehr gemeinsam aus dem Bus: Bierbänke, Grillplatten, fässerweise Bier und eine mobile Lautsprecheranlage. Jeder Handgriff sitzt in dem gut eingespielten Team. In Windeseile stehen Biertische- und Bänke, es riecht nach verbranntem Spanferkel, Käsekrainer und süßlichem Billigfusel. Aus den Lautsprechern dröhnt der neueste Hit der niederösterreichischen, volkstümlichen Kombo „Eicheltaler Zipfelwurzen“, „Hosn auffi, Hosn owi“. Ein voller Erfolg! Einsatz wieder einmal geglückt!

Retten, Repräsentieren, Randalieren

Aber wer glaubt, der Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr sei hier zu Ende, der irrt. Denn jetzt kommt die wichtigste Aufgabe, Aufklärung über die Tätigkeiten und Repräsentation nach Außen. Schnell teilt man sich in kleinere Einsatzgruppen, ext Schnäpse durch die Nase, überbietet sich gegenseitig mit Stammtisch-Witzen, kommentiert lautstark und abfällig alles und jeden und bittet dabei vorbeigehende Fußgänger um eine kleine freiwillige Spende.

Nach nur 14 Stunden Einsatz gibt es noch eine wichtige, taktische Nachbesprechungen. Laut Protokoll haben folgende Punkte, die für die Sicherheit der Gemeinde und ihre BewohnerInnen von enormer Wichtigkeit sind, höchste Priorität:

  1. Wie bewachen wir unseren Maibaum nächstes Jahr?
  2. Warum klettert Kater „Schnurli“ immer auf denselben Baum?
  3. Wer hat schon wieder in den Mannschaftswagen gespieben?
  4. Wie lösche ich den eigenen Brand morgen Früh?

Am nächsten Morgen sieht man die vom Einsatz schwer gezeichneten Kameraden die Reste der Feier aufräumen. Ein junger Kamerad, der vom Gröhlen des Vortags eine Stimme wir Kermit der Frosch hat, sticht besonders hervor. Bevor er bewusstlos zu Boden fällt, purzelt ihm noch ein fast kindlich wirkender Reim aus der trockenen Filzpappn:

Ist das Leben oft nicht nett
Ist das Leben oft nicht fair
Brände löschen, meistens fett
Komm doch auch zur Feierwehr


Fotocredits: istockphoto.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert